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Warum ich diese Seite mache

Haltung und Transparenz

Warum es diese Seite gibt und wie ihre Inhalte entstehen.

Wenn du tot bist, weißt du nicht, dass du tot bist.

Bei Organspende geht es schnell um Systeme, Paragrafen, Ethik, Register und Zuständigkeiten. Alles wichtig. Sehr deutsch. Aber hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der morgens aufwacht und nicht weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt.

Frank Hennemann lächelt in die Kamera.

Wenn du dafür ein Gesicht brauchst, dann nimm meins.

Ich bin Frank. Ich lebe mit einer schweren, genetisch bedingten und chronischen Lungenerkrankung. Ich weiß, dass ich irgendwann eine neue Lunge brauchen werde. Ich weiß nur nicht, wann.

Im Moment komme ich noch zurecht. Vielleicht bleibt das lange so. Vielleicht sorgt schon der nächste schwere Infekt dafür, dass alles anders wird.

Und übrigens: Ich werde Opa.

Ich möchte dieses Enkelkind kennenlernen und aufwachsen sehen. Ich möchte irgendwann der Opa sein, über den man sich ein bisschen lustig macht, weil er dieselbe Geschichte zum fünften Mal erzählt.

Zehn Jahre mehr? Zwölf? Fünfzehn? Ich nehme sie.

Der eigene Tod ist ungefähr so beliebt wie eine Steuerprüfung mit anschließendem Zahnarzttermin. Aber er wird durch Nichtbeschäftigung leider nicht abgesagt.

985 Menschen. 3.020 Organe. 8.207 Wartende.

2025 haben in Deutschland 985 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet. Dadurch konnten 3.020 entnommene Organe transplantiert werden. Im Durchschnitt waren das 3,1 Organe pro spendendem Menschen. Die 3.020 zählen Organe aus Deutschland, die im In- oder Ausland transplantiert wurden. Die 3.150 auf der Startseite zählen Menschen, die in deutschen Transplantationszentren ein oder mehrere Organe erhielten. Deshalb sind beide Zahlen unterschiedlich.

Anfang 2026 standen 8.207 schwer kranke Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan.

Menschen sterben. Und aus diesem traurigen Ende können für mehrere andere Menschen neue Kapitel entstehen.

Herz. Lunge. Leber. Nieren. Bauchspeicheldrüse. Darm. Je nach Situation können auch Gewebe gespendet werden.

Das ist keine Science-Fiction. Das passiert wirklich.

Vielleicht brauchst du keinen anonymen Menschen auf der Warteliste.

Nimm mich. Stell dir vor, ich wäre der Mensch, der irgendwann diesen Anruf bekommt: Wir haben eine passende Lunge.

Oder stell dir vor, dieser Anruf kommt nicht.

Dann geht es nicht um Statistik. Dann geht es um meine Familie. Um meine Partnerin. Um meine Freunde. Um Menschen, die vielleicht Abschied nehmen müssen. Und um ein Enkelkind, dessen Opa möglicherweise weniger Zeit bekommt, als alle gehofft haben.

Ein Ja ist eine Entscheidung. Ein Nein auch.

Ich wünsche mir persönlich mehr Organspenden. Vielleicht hängt mein Leben einmal davon ab. Trotzdem gehört deine Entscheidung dir. Auch wenn sie Nein lautet. Was mich fertig macht, ist das Dazwischen: „Darüber habe ich noch nie nachgedacht.“

Bitte denk nach. Triff deine Entscheidung. Dokumentiere sie im Organspendeausweis oder im Organspende-Register. Sprich mit deinen Angehörigen darüber, damit sie im schlimmsten Moment nicht auch noch erraten müssen, was du gewollt hättest.

Wenn du dich für die Spende entscheidest, kannst du nach deinem Tod etwas hinterlassen, das größer ist als jeder Nachruf.

Zeit für einen Vater.
Zeit für eine Mutter.
Zeit für ein Kind.
Vielleicht Zeit für einen zukünftigen Opa.
Vielleicht für mich.

PS: Wenn du tot bist, brauchst du deine Lunge tatsächlich nicht mehr. Ich möglicherweise schon.

Meine Entscheidung ist auch eine Frage des Wann.

Ich bin noch nicht auf der Warteliste. Deshalb kann ich nicht behaupten, ich wüsste, wie sich dieses Warten anfühlt.

Aber ich kenne viele Menschen, die gewartet haben. Menschen, die den Anruf bekommen haben. Menschen, deren Transplantation sehr gut verlaufen ist. Manche haben später sogar eine zweite Spenderniere erhalten.

Ich kenne auch die anderen Geschichten. Abstoßungen. Schwere Infektionen. Neue Erkrankungen. Auch Krebs nach einer Transplantation. Eine Transplantation kann Lebenszeit schenken. Sie macht den weiteren Weg aber nicht berechenbar.

Seit 16 Jahren bewege ich mich in der Lungenwelt. Ich habe Menschen erlebt, die im Krankenhaus unter schwersten Bedingungen auf eine Lunge warten mussten. Solche Geschichten verschwinden nicht aus dem Kopf.

Meine persönliche Haltung ist deshalb klar: Solange ich meine eigene Definition von Lebensqualität halten kann, möchte ich mein Leben ohne Transplantation führen.

Das bedeutet nicht, dass ich eine Transplantation ablehne. Im Gegenteil. Eine Spenderlunge wäre für mich vielleicht zusätzliches Leben. Aber sie ist kein Ersatzteil auf Vorrat.

Deshalb versuche ich heute vorsichtiger, umsichtiger und gesünder zu leben. Nicht weil sich alles kontrollieren lässt. Sondern weil ich den Zeitpunkt möglichst nicht leichtfertig vorziehen will.

Für mich lautet die Frage nicht nur: Würde ich mich transplantieren lassen? Die schwierigere Frage lautet: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Darauf habe ich heute noch keine endgültige Antwort. Und genau diese Unsicherheit gehört ehrlich zu meiner Geschichte.

Mentale Belastungen rund um Entscheidung, Warten und Transplantation →

Persönlicher Text und geprüfte Zahlen

Dieser Text gibt meine persönliche Perspektive wieder. Die Zahlen wurden am 25. September 2026 anhand der amtlichen Veröffentlichungen geprüft.